FAMILIENSICHERNDE SOZIALE Dienste

Im Sinne guter und systemischer Elternarbeit ist es unumgänglich, dass die MitarbeiterInnen im Rahmen von Erziehungshilfen eine respektvolle und offene Haltung gegenüber den Eltern und Angehörigen der Kinder und Jugendlichen einnehmen. Es ist notwendig, dass die professionellen BetreuerInnen aus fachlicher Sicht eine andere Betrachtung gegenüber dem Erziehungsprozess vertreten, diese ist jedoch den Eltern und Angehörigen gegenüber nicht als höherwertige Meinung zu verstehen.

Der fachliche Zugang:

Die familiensichernden sozialen Dienste stellen sich der Herausforderung, dass die Kinder- und Jugendhilfe als sicherer Ort wahrgenommen wird. Damit wirken sie den teilweise negativen Meinungsbildern in der Öffentlichkeit entgegen und lösen tradierte macht- und gewaltbesetzte Erziehungsbilder ab. Die Methoden folgen personenzentrierten Grundhaltungen (Empathie, Wertschätzung, Authentizität, Kongruenz und Echtheit) unter Berücksichtigung systemisch orientierter Diagnostik und Intervention.
Die familiensichernden sozialen Dienste zielen auf die Problemeinsicht der relevanten Familienanteile ab. Wir beabsichtigen die Teilnahme der Familie an der lösungsorientierten Bearbeitung der bestehenden Problembereiche. Lebenswelt- und Sozialraumorientierung nach Thiersch, Wolfgang Hinte sind richtungsweisend. Den Entwicklungsaufgaben der Familie begegnet das Fachpersonal mit dem Modell der Neuen Autorität nach Haim Omer. Grundlegend prägen Kenntnisse in den bindungsgeleiteten Interventionen nach dem CARE®- sowie SECURE-Programm die Arbeitsweise der Fachkräfte, das in Kooperation zwischen Prof. Dr. Henri Julius/Universität Rostock und Lebensraum Heidlmair entstanden ist.

LEITSÄTZE IN DER ELTERNBETEILIGUNG

1

Wir schaffen Möglichkeiten für die Eltern, dass sie im Rahmen ihrer Fähigkeiten die Entwicklung ihres Kindes als Eltern begleiten können.

2

Wir vertrauen den Eltern und gewinnen sie als BündnispartnerInnen.

3

Wir laden die Eltern ein, an der Vielfalt unserer Angebote teilzunehmen.

4

Wir unterstützen die Erziehungsfähigkeit der Eltern durch eine wertschätzende Beziehung.

5

Wir erarbeiten ein gemeinsames Mandat für die Familie, woraus sich zielgerechtes Handeln ergibt.

6

Wir fördern im Rahmen der vollen Erziehung regelmäßige Kontakte zwischen Eltern und Kindern durch individuelle und intensive Einbeziehung.

7

Wir gewinnen die Eltern in der vollen Erziehung durch respektvolle Begegnung zur Anteilnahme an der Erziehung ihrer Kinder.

8

Wir bringen den Eltern Anerkennung für ihr bisher Geleistetes entgegen.

9

Wir ermutigen die Eltern in ihrer Rolle, indem wir ihre Meinung einholen und ihnen etwas zutrauen.

10

Wir würdigen das von den Eltern entgegengebrachte Vertrauen und sind für die Eltern in unserer sozialpädagogischen Arbeit transparent.

11

Wir bekennen uns zur Wachsamkeit und Präsenz im sozialpädagogischen Betreuungsprozess.

FAMILIENERHALTENDE WOHNFORMEN

Lebensraum Heidlmair bietet Eltern in Notsituationen und unter definierten Bedingungen die befristete Nutzung von Wohnungen. Ein abgesichertes und zielgerichtet betreutes Übergangswohnen steigert zum einen das Sicherheitsempfinden der Kinder, zum anderen bietet es aber auch Eltern bzw. Elternteilen eine Existenzsicherung bei Delogierung, Partnerschaftskrisen und ähnlichen Anlässen.

ELTERNHOSPITATION

Dieses Angebot richtet sich an die stationäre Volle Erziehung. Im Verlauf eines Kooperationsaufbaus zwischen Eltern und unseren Fachkräften kann die korrektive Bearbeitung von belasteten Beziehungen zwischen Eltern und Kindern in Form der Elternhospitation stattfinden.

Darunter verstehen wir die zeitlich begrenzte,stationäre Aufnahme von Elternteilen in die Wohngruppe (maximal einige Tage), die transparent für alle Beteiligten gestaltet wird.

FAMILIENCOACHING/-THERAPIE

Die Kernkompetenz des Familiencoachings besteht in der sozialpädagogischen Begleitung und Anleitung von Elternteilen bei der Gestaltung ihrer Beziehung zu ihren Kindern, die stationär untergebracht sind. Familiencoaching versteht sich auch als Hilfe für Kinder bzw. Jugendliche und deren Eltern bei der Gestaltung von Heimfahrtwochenenden bzw. von Beurlaubungen. Besuche von Eltern in der Wohngruppe werden im Rahmen des Familiencoachings ebenfalls unterstützt.

Unser psychologischer Dienst bietet im Einzelfall auch Familientherapie an.
Auftraggeber ist jeweils die fallführende Behörde. Die Familientherapie wird im Bedarfsfall auch in Form von Hausbesuchen angeboten.

SOZIALTHERAPEUTISCHE WOHNGRUPPEN

Kinder und Jugendliche, die durch Bindungstraumata verhaltensauffällig sind, erhalten Dank der Sozialtherapie in der Kinder- und Jugendhilfe einen heilsamen Rahmen. Mit der Methodenkompetenz unserer SozialpädagogInnen schaffen wir ein wirksames Gefüge, das den Kindern und Jugendlichen ein sicheres und vertrauensvolles Umfeld bietet, indem sie sozial kompetentes Verhalten lernen können.
Die traumaspezifischen Abwehrphänomene (z. B. Kontrollverhalten, Verweigerung, Ablenkung, Klammern, aggressives Zurückweisen) werden durch die Feinfühligkeit der SozialpädagogInnen messbar reduziert.

PSYCHOLOGISCHE/PSYCHOTHERAPEUTISCHE BERATUNG

Im Mittelpunkt der Beratung steht die Steigerung des Nutzens einer bestehenden Erziehungshilfe. Deren Dauer und Effizienz sowie die Stabilität von Familien werden durch die Beratung positiv beeinflusst. Die Beratung sichert notwendige soziale sowie gesundheitsrelevante Dienste für die Familie. Sie ist hinsichtlich Zielsetzung und Prozess transparent für alle Systempartner. Ziel ist die Steigerung der Erziehungskompetenz von Eltern, die Herstellung bestmöglicher Kooperationsformen zwischen Eltern und dem Team der Wohngruppe sowie die fachliche Assistenz bei der Beurteilung des laufenden Hilfebedarfs der Familie. Methoden sind psychologische/psychotherapeutische Beratungsgespräche und Familienkonferenzen. Die Tätigkeiten werden ergänzt durch Empfehlungen für weiterführende Maßnahmen (z.B. psychotherapeutische Hilfestellung, stationäre Auszeiten bei krisenhaften Verläufen) sowie durch die Vorbereitung der Familie auf weiterführende Hilfen.

Familienintensivtrainingswoche (FIT)

Der Psychologische Dienst im Lebensraum Heidlmair bietet jährlich – während der Sommerferien – Familien-Intensiv-Trainingswochen (FIT) für Kinder in der vollen Erziehung und für deren Eltern an. Während des fünftägigen Trainings werden vier bis sechs Familien von einem multiprofessionellen Team aus PsychologInnen und SozialpädagogInnen intensiv begleitet. Ziele dieses Trainings sind die Stärkung und Sicherung des jeweiligen familiären Beziehungsgefüges, der Eltern-Kind-Bindung sowie der Erziehungskompetenz.

Um Ängsten entgegenzuwirken und die Wirksamkeit der Intervention zu erhöhen, werden die Familien bereits zwei Monate vor Beginn auf die FIT-Woche vorbereitet. Dazu findet vorab ein Treffen und Kennenlernen der Familien und TrainerInnen statt. Das Trainingsprogramm wird in einem idyllisch gelegenen Haus in Aigen im Mühlkreis abgehalten. Während dieser Zeit liegt die Verantwortung über die Kinder ausschließlich bei den Eltern, die TrainerInnen stehen den Eltern jedoch unterstützend zur Seite.

Die Tagesstruktur entsteht durch Morgen- und Abendrunden in der Gruppe, separate Eltern- und Kinderrunden,

gemeinsame Eltern-Kind-Aufgaben, Mahlzeiten und Freizeitaktivitäten. Das Programm orientiert sich am jeweiligen Tagesthema, wie z. B. Neue Autorität, Kommunikation, Vertrauen, Grenzen, Rituale und Freizeitgestaltung.

Das spezielle Setting der FIT-Woche ermöglicht es, Ressourcen, Bedürfnisse und Disharmonien in der Eltern-Kind-Interaktion zu erkennen. Durch die niederschwellige, individuelle und familienorientierte Beratungsmöglichkeit sollen maßgeschneiderte Lösungen und Interventionsstrategien (z. B. psychologische Elternberatung, Familiencoaching, SFB, Psychotherapie) entwickelt und vorbereitet werden. Zusätzlich tragen Gespräche in Elternrunden dazu bei, persönliche Stärken wahrzunehmen und emotionale Entlastung zu erfahren.

Zum Abschluss der FIT-Woche erhalten die Familien individuelle Rückmeldungen durch die PsychologInnen, auch die Beobachtungen und Reflexionen des multiprofessionellen Teams werden besprochen. Drei Monate nach dem Familienintensivtraining erfolgt ein abschließendes Treffen, um die Effekte des Trainings auf die Eltern-Kind-Beziehung zu besprechen.

Sportpädagogische Nachmittagsbetreuung

In der sportpädagogischen Nachmittagsbetreuung in Wels sowie in Trattenbach, betreut das Team von Lebensraum Heidlmair bis zu sieben SchülerInnen von Neuen Mittelschulen bzw. Volksschulen, die einen sicheren sozialen Hafen außerhalb des familiären Lebensmittelpunkts benötigen, um schulischen Anforderungen standzuhalten. Drei BetreuerInnen mit insgesamt 48 Wochenstunden, ein/e Bewegungstrainer/in mit sechs Wochenstunden sowie die Hortleitung kümmern sich um die Kinder- und Jugendlichen, die von der Schule abgeholt, mittags verköstigt und um 17:30 Uhr zur Familie zurückgebracht werden können.Die SchülerInnen werden in schulischen Belangen gefördert sowie motiviert, Spaß an Bewegung und Aktivitäten zu entwickeln. Unterstützt wird dies auf der Sachebene (z. B. durch themenbezogene Gespräche), auf kreativer Ebene (z. B. durch Malen), auf körperlicher Ebene – insbesondere die haptische Wahrnehmung betreffend –, durch Kooperationsspiele und sportliche Bewegung und durch Rituale (z. B. gemeinsames Essen, Zubereiten warmer Getränke). Die Betreuung ist darauf ausgelegt, unter Beteiligung jeder/jedes einzelnen Schülerin/Schülers und unter Nutzung der jeweils entstehenden Gruppendynamik, eine Balance zwischen Konzentrations-, Entspannungs- und Bewegungsphasen zu finden. Es findet ein aktiver Austausch zwischen BetreuerInnen, den Eltern und der Kinder- und Jugendhilfe (KJH) statt. Den Betreuungsauftrag erhält das Team Lebensraum Heidlmair von der KJH, unter Zustimmung des Obsorge tragenden Elternteils sowie der Schülerin/des Schülers selbst.


Unser umfassendes Konzept können Sie in folgendem pdf ausführlicher nachlesen:

EINZELWOHNBETREUUNG

Gemeinsam mit der Fachabteilung der OÖ Landesregierung und mit unseren sozialpädagogischen Fachkräften entwickeln wir derzeit Alternativen in Richtung Einzelwohnbetreuung (EWB), wobei wir besonderen Wert auf die unterschiedlichen Betreuungsansprüche von Jugendlichen legen.

  • Die Einzelwohnungsbetreuung „Wohnungsverbund“ (EWB „WV“) sieht die Betreuung von Jugendlichen in eigenen Wohnungen am Standort Kremsmünster und der unmittelbaren Umgebung vor und ist in Form eines Turnusdienstes durchgängig ganzjährig organisiert.
  • Die Einzelwohnbetreuung (EWB) meint die Betreuung in einzelnen Wohnungen und entspricht dem Standardangebot der EWB auf Grundlage der OÖ Rahmenrichtlinie Einzelwohnbetreuung.
  • Die Nachbetreuung ist für jene Jugendliche geeignet, die nach einer Betreuung im Rahmen der vE in ihrem Verselbständigungsprozess begleitet werden.

FAMILIENZENTRIERTE ERZIEHUNGSHILFEN

Es handelt sich dabei um einen reflexiven Prozess, der überprüft, wie wirksam die volle Erziehung in Kombination mit der Unterstützung der Eltern ist. Wir gehen davon aus, dass mit wirkungsorientierten familienzentrierten Erziehungshilfen die Angebote der privaten Kinder- und Jugendhilfeträger differenzierter und zielführender im Sinne der uns anvertrauten Familien zur Anwendung kommen.

Sozialpädagogische Familiendiagnostik

  • Evaluieren der Familienkompetenz
  • Maßnahmen erarbeiten zur Stärkung der Erziehungsverantwortung

Volle Erziehung (1,5 Jahre)

  • Volle Erziehung
  • FIT
  • Elterncoaching
  • psychologische und therapeutische Elternberatung
  • A4K

UdE (1 Jahr)

  • TimeOut in WG 
  • Sozialpädagogisches Familiencoaching 
  • Psychologische und therapeutische Elternberatung
  • FIT

weitere Informationen :

FÜR BEHÖRDEN